Glaubensrichtungen des Islam

Sunniten - Schiiten - Charidschiten - Sonstige

Infolge einer Uneinigkeit über die Wahl des Leiters der Gemeinde teilten sich die Muslime in der Mitte des 7. Jahrhunderts nach dem Tode Ali's dem 4. Kalifen in drei Gruppen entsprechend ihrer Auffassung über den berechtigten Leiter der Gemeinde:

Sunniten (Anhänger der Tradition)

Die überwältigende Mehrheit der Muslime in aller Welt. Grundlage des Glaubens ist neben dem Koran die Wegweisung des Propheten Mohammed, wie er in den Hadithen überliefert ist. Dazu kommt die übereinstimmende Meinung der Gemeinschaft. Sie messen der politischen Stabilität im Staat sowie der Praktikabilität des Gesetzes große Bedeutung zu. Sie verlangen von einem Kalifen keine besonderen Tugenden und keine hervorragenden moralischen Qualitäten. Der Kalif soll aus dem Stamm Mohammeds kommen und in der Lage sein, die Gemeinschaft nach Recht und Gerechtigkeit zu führen.Der Begriff Sunna bezieht sich in der Regel auf das Vorbild des Propheten Muhammad, auf seine Handlungen und Aussprüche. Bei den Sunniten gibt es vier Rechtschulen ,man unterscheidet sie  benannt nach ihrem jeweiligen Gründer Hanafiten,Malikiten,Schafiten und Hanbaliten. 

Hanafiten

Die Rechtsschule der Hanafiten geht zurück auf Abu Hanifa (699-767) und seine Schüler. Die hanafitische Schule herrschte bei Abbasiden und Osmanen vor und wurde in der Regel in ihren Nachfolgestaaten übernommen. Den Hanafiten folgt u.a. die Türkei, Afghanistan, Pakistan, Zentralasien, Indien und China. In Österreich ist der Islam nach hanafitischer Richtung eine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.

Malikiten

Die Malikiten gehen zurück auf Malik ibn Anas (715-795), der den Rechtsbrauch im Hedschas (im heutigen Saudi-Arabien) zusammenfasste. Diese Rechtsschule verbreitete sich vom Kernland des Islam nach Nordwest-Afrika (Marokko, Algerine, Tunesien), aber auch nach Oberägypten, Mauretanien, Nigeria, dem Sudan, Kuwait und Bahrain.

Schafiiten

asch-Schafii (767-820) studierte die beiden früher entstandenen rechtsschulen im Irak und wirkte später in Ägypten. Heute findet man sie weitgehend in Unterägypten, Jordanien, Libanon, Südarabien, Indonesien, Malysia, in zentral-asiatischen Gebieten und in Tanzania.

Hanbaliten

Ahmad ibn Hanbal (780-855) studierte u.a. bei asch-Schafii. Der Hanbalismus, gerade in dogmatischen und kultischen Fragen sehr konservativ und rigoros, wirkte entscheidend auf den Begründer des Wahhabismus in Saudi-Arabien, Nuhammad ibn Abd al-Wahhab (1703-1787). Zahlenmäßig ist es die kleinste Rechtsschule.

Schiiten (Parteigänger Ali's)

Etwa 10 Prozent der Muslime sind Schiiten. Der Ausdruck leitet sich ab von "Schiat Ali", Partei Alis. Insbesondere in der Vorstellung vom Imam weichen die Schiiten von der Glaubenswelt der Sunniten ab.
Demnach wurde Ali von Gott zum Imam, d.h. zum rechtmäßigen Führer der gesamten Welt erwählt. Alle weiteren Imame müssen Nachkommen Alis sein. Den Imamen kommt unfehlbare Autorität zu und weitere Fähigkeiten, die gewöhnliche Menschen nicht besitzen (u.a. Unfehlbarkeit).

Imâmiten

Erkennen die  12 Imâme als rechtmäßig an und werden deshalb Zwölfer-Schîia genannt. Der letzte Imâm ist nicht gestorben er soll seit 940 in der Verborgenheit weiterleben . Bilden die bedeutendste Gruppe unter den Schiiten.Sie sind im Iran und Irak beheimatet .

Ismâîliten

Erkennen nur 7 Imâme an, deren letzter, Ismâ`îl, 760 starb, an. Sie betonen die innere Erleuchtung des geistlichen Führers, die ihm göttliche Autorität und Unfehlbarkeit verleiht.Die Ismailiten leben in Syrien ,Afghanistan ,Pakistan und Indien .

Zayditen

Erkennen nur 5 legitime Imâme an. Der letzte, Zayd, starb 739. Treten für die Wahl eines legitimen Imâms ein, der aber aus der Nachkommenschaft Ali´s kommen muß. Stand lehrmäßig den Sunniten nahe.

Nusayrî oder Alawiten

Scheinen Ali einen göttlichen Kult zu widmen.. Ihre Lehre ist eine Mischung aus islamischen, christlichen, gnostischen und altorientalischen Elementen.Sie leben im Libanon und in Syrien .

Drusen

Scheinen den Kalifen Hâkim zu vergöttlichen, der auf mysteriöse Weise verschwand. Ihre Geheimlehre ist nur einigen Eingeweihten bekannt. Sie glauben an die Wiederkunft des verschwundenen Hâkim und an die Seelenwanderung.Sie leben im Libanon .

Aleviten

Nicht zu verwechseln mit den Alawiten. Im Mittelpunkt der Lehre steht die schwärmerische Verehrung Alis, des Vetters und Schwiegersohnes Mohammeds. Spirituelle Auslegung des Korans und der Hadithen und ablehnung der fünf Säulen des sunnitischen Islam. Sie haben keine Moscheen und versammeln sich in Privathäusern. Frauen nehmen gleichberechtigt teil. Aleviten sind die zweitstärkste Glaubensgemeinschaft der Türkei.

Châridschiten  (von Ali getrennt)

»Ausziehende«, auch als Ibâditen bezeichnet. 657 aus Protest gegen Ali entstanden, der eine Gottesentscheidung einem menschlichen Schiedsgericht unterwirft. Ali besiegte seine Feinde, die sich um Mohammeds Witwe Aïscha geschart hatten, stimmte aber einem Vergleichsangebot des Statthalters Syriens, Mu`âwiya, zu. Seine innerparteilichen Gegner nutzten diese Schwäche zu ihren Gunsten aus. Sie ermorden Ali 661.Die Mehrzahl der Charidschiten lebt heute in Nord- und Ostafrika, Oman und auf der zu Tansania gehörenden Insel Sansibar.

Wahabiten

Die Wahhabiten sind aus einer internen Veränderung der Lehren der Hanbaliten entstanden.Sie lehnen jegliche Menschenverehrung radikal ab,sind gegen den den Heiligenkult,gegen den Rosenkranz (99 Kugeln, je einen für jeden Namen Allahs)und Unterlassung der Ausschmückung der Moscheen .Außerdem erkennen sie den Koran und die Hadithe als einzige Offenbarungsquelle und fordern nach einer wörtlichen Auslegung des Korans. Gegründet im 18. Jahrhundert von Mohamed ibn Abd al-Wahhab (1703-1792) ist diese Bewegung von der Sauddynastie übernommen worden. Nach der Gründung des Königreichs von Saudi Arabien (1932) machte davon Ibn Saud seine Staatsdoktrin. Die Wahhabiten schließen u.a. den Besuch der Gräber aus, weshalb sie zahllose Gräber von gesegneten Gefährten des Propheten verfallen ließen. Zwar behauptet diese Doktrin auch ,dass der muslimische Staat ausschließlich nach dem religiösen Gesetz (Scharia) funktionieren muss.

Bahâismus

Durch den Iraner Mîrzâ Husayn (1817-92), der Bahâ`Allah (Glanz Gottes) genannt wird. Diese synkretistische Religion unterhält Missionszentren in aller Welt.Ziel der Bahai ist die Einheit der Völker und Religionen, damit alle Menschen miteinander in Frieden und Gerechtigkeit leben, die Gebote Gottes erfüllen können und der weltweite spirituelle Fortschritt ermöglicht wird. Hierfür engagieren sich die Bahai in internationalen Bildungsprojekten und in der Entwicklungshilfe.Die heutige Führung der Gemeinschaft liegt bei einem neunköpfigen Kollegium (Geistiger Rat), das im Universalen Haus der Gerechtigkeit in Haifa (Israel) residiert. Die Bahai haben einen eigenen Kalender, der aus 19 Monaten zu je 19 Tagen besteht. Der Jahreswechsel wird am 21. März gefeiert, dem Tag des altiranischen Neujahrsfestes Nawroz. Die eigene Zeitrechnung beginnt 1844, dem Jahr der Erklärung des Bab. In ihrem Ursprungsland, dem Iran, werden die Bahai verfolgt, und auch aus anderen islamischen Ländern wird von Repressionen berichtet.Weltweit gibt es rund 6 Millionen Gläubige, in Deutschland etwa 5000.

Ahmadiyya
Die Ahmadi-Muslime verstehen sich als Reformgemeinschaft, die einen ursprünglichen Islam propagiert. Die Gemeinschaft geht auf Mirza Gulam Ahmad (1835-1908) zurück, der sich als Prophet und als Inkarnation der in den Weltreligionen erwarteten Heilsbringer (Jesus, Mahdi usw.) sah. Deshalb werden die Ahmadis als Häretiker verfolgt. Die Bewegung entstand in Pakistan; von dort ist die überwiegende Zahl der in Europa lebenden Ahamdi-Muslime geflüchtet.

Black Muslims (Nation of Islam )

Diese 1930 von Wallace D.Fard in Detroid/USA gegründete Gemeinschaft vertritt einen schwarzen Nationalismus und will ökonomische , sozialeund politische Lage der Afroamerikaner verbessern.Nach dem Verschwinden Fards unter ungeklärten Umständen radikalisierte sich die Bewegung unter Elijah Muhammed (1897-975),der einen Staat innerhalb der USA forderte .Eine ebefalls bedeutsame Rolle spielte Malcolm Little (1925-1965) ,der als Malcolm X bekannt wurde .Der Buchstabe X steht für den Ersatz des bis dahin getragenen Sklavennamens sowie durch die Sklaverei verloren gegangenen afrikanischen Namen.Auch sollte das X daran erinnern, dass er ein Ex-Raucher,Ex-Trinker und Ex-Christ war.Er kritisierte die ungleiche Behandlung der Rassen und verteidigte den Einsatz von Gewalt zur Erlangung der Gleichheit mit den Weißen.1964 trat Malcolm x zum Orthodoxen Islam über und nannte sich fortan al--Haj Malik Al-Schabazz .1965 wurde er ermordet .Während der zweiten Hälfte der 1960er Jahre näherte sich Elijah Muhammeds Nation of Islam dem sunnitischen Islam an.Die NOI entfernte sich immer mehr von der der ursprünglichen Forderungen nach einer einer separaten schwarzen Nation und beschrente sich sich vor allem auf das Streben nach Gerechtigkeit und Gleichheit für die schwarzen .

 

 

 

 

 


 

 





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