Muhammad (s.a.s.)  
 



1. Einführung

Der Islam lehrt, dass es nur einen Einzigen Gott gibt, den man auf Arabisch Allah nennt. Er hat alles erschaffen und Ihm ist alles im Weltall und auf Erden untertan. Es gibt niemanden und nichts, dass Ihm ebenbürtig ist oder mit Ihm verglichen werden kann. Gott liebt uns und Er hat uns zu unserer Rechtleitung und zu unserem Besten Seine Gebote und Gesetze durch Menschen überbringen lassen, die Er ausgewählt hat und die Propheten oder Gesandte Gottes genannt werden.

Seit der Erschaffung des ersten Menschen auf dieser Erde hat Gott in seiner Güte unter den Völkern zahlreiche Propheten oder Gesandte erhoben, so wie zum Beispiel Abraham, Isaak, Joseph, Moses, David und Jesus. Der letzte all dieser Gesandten war Muhammad (Friede sei mit ihnen allen).

Der Islam ist keine neue Religion. Er besteht aus derselben grundsätzlichen Botschaft, die Gott allen wahrhaften Religionen mitgegeben hat und alle Propheten haben dieselbe Botschaft zu unserer Rechtleitung überbracht. Muhammad (Friede sei mit ihm), der letzte Prophet Gottes, hat uns die ganze und vollkommene Bedeutung des Islam gelehrt - Unterwerfung und Hingabe in den Willen Gottes - und zwar durch seine Worte, seine Taten und das offenbarte Buch, den Heiligen Qur'an. Es ist ein großes Glück für uns, dass wir an den letzten Propheten Gottes glauben, denn Muhammad (Friede sei mit ihm) ist der Überbringer der Botschaft des Friedens und der Ergebung in Gott.

Die Lebensgeschichte des Propheten Muhammad ist sehr bedeutungsvoll, denn seine Worte, seine Taten und seine Charaktereigenschaften stellen das höchste Vorbild dar, dem wir nacheifern können. Sie ist zugleich die Geschichte eines großen Kampfes und eines großen Erfolges. Diese Geschichte ist so vollständig und wohlverbürgt, dass es überhaupt keinen Zweifel über ihre Richtigkeit und Glaubwürdigkeit gibt, denn sie ist im Lichte der niedergeschriebenen Geschichte in vollem Umfang erhalten geblieben. In den nachfolgenden Abschnitten wollen wir die Lebensgeschichte des Propheten in ihren verschiedenen Endwicklungsstadien aufzeigen.

2. Die Geburt Muhammads (Friede sei mit ihm)

Muhammad wurde am 12. Rabi-ul-Awwal 54 Jahre vor der Hidschra, oder am Montag, dem 20. August 570 nach christlicher Zeitrechnung, in Mekka in Arabien geboren, und zwar in den frühen Morgenstunden.

Im Heiligen Qur'an heißt es:

"Und sprich: 'Gekommen ist die Wahrheit, und dahingeschwunden ist das Falsche. Siehe, das Falsche schwindet schnell.' " (Sure 17 Vers 81)

Dies ist auch ausgezeichnet anwendbar auf das Leben des Propheten selbst. Sein Geburtstag ist darum ein Tag des Segens und der Freude für die gesamte Menschheit.

3. Kindheit

Muhammads Vater Abdullah starb sechs Monate vor dessen Geburt und seine sanftmütige Mutter Amina starb, als er kaum sechs Jahre alt war. So musste Muhammad (Friede sei mit ihm) schon sehr früh im Leben die Liebe von Vater und Mutter entbehren; doch er war stets der von Gott Geliebte. Er entstammte einer vornehmen Familie, nämlich dem Banu Haschim-Zweig des Stammes der Quraisch. Um dieses größte und edelste Kind Arabiens kümmerte sich zuerst nach dem Tod der Mutter der Großvater Abdul-Muttalib, doch auch dieser starb nur ungefähr zwei Jahre nach dem Tod von Muhammads Mutter. Darum wurde der junge Muhammad schließlich von seinem in Armut lebenden Onkel Abu Talib aufgenommen. So wuchs also in der Wüstenlandschaft Arabiens ein Waisenknabe ohne die Fürsorge eines Vater, die Liebe einer Mutter, eines Bruders oder einer Schwester auf. Doch Gott hatte ihn aus der gesamten Menschheit auserwählt, damit er Sein Gesandter sei und die Menschen in aller Welt vor Sünde und Vernichtung bewahre.

4. Jugend

Muhammad (Friede sei mit ihm) verbrachte seine Jugend als Handelsgehilfe, indem er seinem Onkel Abu Talib, der Karawanen mit Gütern von einem Ort zum anderen brachte, zur Seite stand. Zweimal reiste Muhammad Handel treibend mit diesen Karawanen bis nach Syrien. Er war stets bereit, jede Art von ehrlicher Arbeit zu übernehmen und hütet zeitweise sogar Schafe. Er schämte sich nie seiner Tätigkeit, auch wenn es sich um eine noch so einfache Art von Beschäftigung handelte. Er pflegte seine Kleider und Schuhe selbst auszubessern und verhalf so jeder Form von ehrlicher Arbeit zu Würde und Ansehen.

5. Gesellschaftliche Verhältnisse vor der Sendung des Propheten

Schon von seiner frühesten Kindheit an war Muhammad (Friede sei mit ihm) zutiefst bekümmert über die verdorbene Gesellschaft Arabiens. Seine Landsleute verbrachten ihre Zeit und ihre Energien mit Trinken und Glücksspiel. Die Gesellschaft Arabiens war überdies zu jener Zeit hoffnungslos zersplittert, weil sich jede Familie und jeder Stamm nur um die eigenen Belange kümmerte und es dabei zu zahlreichen Fehden untereinander kam, sobald sich nur der geringst Anlass dazu ergab. Diese ständige Bekriegung der Stämme machte Muhammad sehr traurig, denn er meinte, dass sein Volk wie eine Familie sein und sich brüderlich zueinander verhalten sollte. Wie die meisten Menschen in aller Welt damals im siebten Jahrhundert, hegte das arabische Volk weder Achtung vor seinen Frauen noch Liebe zu seinen Töchtern. Mädchen waren so unerwünscht, dass oft die kleinen Neugeborenen von ihren Vätern lebendig begraben wurden. Die Kaaba, die heiligste aller Anbetungsstätten Gottes, die schon vor langer, langer Zeit vom Propheten Abraham begründet worden war, beherbergte nun 360 Götzen, einen für jeden Tag des Jahres. Es beunruhigte Muhammad, dass diese heilige Stätte so missbraucht wurde. Die Zeit war eine der finstersten in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft, denn selbst Christentum und Judentum hatten ihre Einflusskraft eingebüsst und deren Lehren waren verwässert worden. Muhammad war sehr besorgt über diese Zustände und wünschte sich nichts sehnlicher, als in irgendeiner Weise eine Wende zum Besseren herbeiführen zu können.



6. Der Charakter des Propheten

Die Zeit war gekommen, da die Welt abermals dringend der Barmherzigkeit und Rechtleitung Gottes bedurfte und Muhammad, der beste unter allen Menschen, wurde von Gott dazu ausersehen, der irregegangenen Menschheit Seine Botschaft abermals zu überbringen. Gott wählte als Seinen Gesandten den einen Mann aus, der sich in einer verdorbenen Gesellschaft sauber und rein gehalten hatten, der gütig, tolerant und aufrichtig geblieben war und der Zeit seines Lebens nur den Einen Allmächtigen Schöpfer angebetet hatte.

Muhammad (Friede sei mit ihm) meditierte und dachte über Gott nach, und zwar in der Höhle von Hira, einem Berg in der Nähe Mekkas, wo er sehr oft hingezugehen pflegte. Selbst in jener verdorbenen Gesellschaft, in der Tugendhaftigkeit nicht unbedingt bewundert oder angestrebt wurde, genoss Muhammad bei seinen Bekannten stets Anerkennung und Achtung wegen seiner hohen moralischen Grundsätze und die Leute pflegten in al-Amin, den Vertrauenswürdigen, zu nennen.

7. Muhammads Ehestand

Unter den vielen Kaufleuten, die Muhammad (Friede sei mit ihm) damit beauftragten, sich ihrer Handelskarawanen anzunehmen, befand sich auch eine Dame namens Chadidscha. Chadidscha war zweimal verwitwet, hatte zwei Söhne und eine Tochter von ihren verstorbenen Ehemännern und war recht erfolgreich in den Geschäften, die sie als Erbe übernommen hatte. Sie war zu jener Zeit vierzig Jahre alt, während Muhammad fünfundzwanzig war. Da Muhammad arm und des Lesens und Schreibens unkundig war, mag es scheinen, als sei er eigentlich nicht gerade der Ehemann der Wahl für eine wohlhabende Frau aus vornehmer Familie wie Chadidscha gewesen. Doch durch ihre geschäftliche Zusammenarbeit mit Muhammad hatte sie festgestellt, dass er ehrlich, freundlich, verantwortungsbewusst und in jeder Beziehung anständig war, also ein Mann mit seltenen Vorzügen. Sie begriff, welchen großen Wert Muhammad hatte, einen Wert, der weitaus größer war, als dass er sich durch Geld hätte aufwiegen lassen, und so ließ sie ihm in aller Demut ihre Hand antragen. Da Gott weiß, was für Dinge auf einen Menschen zukommen, wusste Er sehr wohl, mit welchen Schwierigkeiten und Prüfungen der Prophet zu kämpfen haben würde. Nur Gott konnte wissen, dass Chadidscha die erste sein werde, die den Islam annehmen sollte und in den künftigen schweren Zeiten, in denen sie für ihn die unerschöpfliche Quelle menschlichen Beistandes war.

Muhammad (der Friede sei mit ihm) und Chadidscha führten in den nun folgenden fünfundzwanzig Jahren bis zu Chadidschas Tod ein erfülltes und glückliches Eheleben. Sie hatten drei Söhne, die jedoch alle in früherer Kindheit starben, und vier Töchter, die alle überlebten. Chadidscha war zu ihren Lebzeiten Muhammads einzige Frau. Sie starb, als er ungefähr 50 Jahre alt war, also etwa zehn Jahre nachdem Muhammads prophetische Sendung begonnen hatte. Chadidscha hatte ihrem Mann in jeder nur möglichen Weise in schwierigsten Jahren seiner Sendung geholfen und ihn unterstützt, wo sie nur konnte. Er vergaß niemals ihre Liebe und ihren Beistand, denn er nannte die "die gesegnete unter den Frauen" und erinnerte sich ihrer stets liebevoll während der verbliebenen Jahre seines Lebens.

Nach Chadidschas Tod heiratete Muhammad (Friede sei mit ihm) Jahre später noch mehrmals. Doch alle seine Frauen mit einer Ausnahme - 'Aischa - waren entweder verwitwet oder geschieden. Sie brauchten ihn viel mehr als er ihrer bedurfte. Einige der Eheschließungen dienten dazu, die Freundschaft zwischen verschiedenen, sich gegenseitig bekämpfenden Stämmen zu untermauern und andere waren dazu bestimmt, den Witwen gefallener Gefährten Lebensunterhalt zu bieten. Doch gleichviel ob der Grund für die Eheschließungen ein politischer oder wohltätiger war, Muhammad behandelte alle seine Gattinnen mit Liebe, Achtung, Gerechtigkeit und Freundlichkeit. Auf diese Weise lehrte er eine Welt, die die Frauen kaum besser als Tiere zu behandeln pflegte, alle Frauen - ob reich oder arm, jung und alt, gebildet oder ungebildet, verwitwet oder geschieden - zu lieben und zu achten. Er überbrachte dieser Welt die Worte: "Das Paradies liegt zu Füßen der Mutter."

8. Muhammad als Prophet

Wenn Muhammad (Friede sei mit ihm) sich von Zeit zu Zeit in die Höhle von Hira zurückzog, dann pflegte er über die grundsätzlichen Fragen nachzudenken, die den Menschen, das Weltall, seinen Schöpfer und das Verhältnis des Menschen zu Ihm betreffen. Er konnte ganz einfach nicht glauben, dass es viele Götter geben könne, von denen jeder Sorge zu tragen haben sollte für einen bestimmten Teil der Welt oder des menschlichen Lebens, ebenso wie er nicht glauben konnte, dass aus Holz oder Stein gemachte Götter - Götzen, die durch Menschenhand entstanden waren - auch nur die geringste Macht über die Angelegenheiten des Menschen haben könnten. Muhammad wandte sich in seiner Meditation und seiner Anbetung nur an Gott, den einzigen Allerhöchsten und Allmächtigen.

Eines Nachts im Monat Ramadan - in der "Nacht der Allmacht" (Laila-tu-l-Qadr) - als Muhammad (Friede sei mit ihm), der damals im vierzigsten Lebensjahr stand, in der Höhe von Hira über die letztendlichen Wahrheiten meditierte, vernahm er eine mächtige Stimme, die ihm zweimal befahl: "Lies" (iqraa). Muhammad war von Angst und Erfurcht erfüllt, doch schließlich antwortete er der Stimme, indem er sagte: "Ich kann nicht lesen." Der Befehl wurde wiederholt, bis Muhammad endlich zaghaft fragte: "Was soll ich lesen?" Da sagte die Stimme:

"Lies im Namen deines Herrn, Der erschuf, Erschuf den Menschen aus einem Klumpen Blut. Lies! Denn dein Herr ist der Allgütige, Der (den Menschen) lehrte durch die Feder, Den Menschen lehrte, was er nicht wusste." (Qur'an Sure 96, Vers 1-5)

Dies war die erste Offenbarung des Qur'an, die durch den Engel Gabriel überbracht wurde. Muhammad (Friede sei mit ihm), der vor Furcht zitterte, eilte sogleich nach Hause und erzählte seiner Frau Chadidscha, was geschehen war. Sie ließ ihm ihren liebevollen Zuspruch zuteil werden und versicherte ihm, dass ihm nichts Schlimmes zugestoßen sein könne, da er ja ein aufrichtiger Mensch sei und Gott ihn beschützen werde. Nur wenig später war Chadidscha diejenige, die als erste den Islam annahm. Kurz nach dieser ersten Offenbarung offenbarte Gott Muhammad (Friede sei mit ihm) durch den Engel Gabriel, dass er dazu auersehen worden sei, die Botschaft Gottes zu verkünden und der irregeführten Menschheit den rechten Weg zu zeigen. So nahm er also ruhig seine Sendung auf sich und begann, über die Einheit Gottes, den Pfad der Unterwerfung unter Ihn, die Torheit des Götzendienstes und das unabwendbare Kommen des Jüngsten Gerichts zu predigen, wo jeder Mensch Zeugnis über seine Taten vor Gott abzulegen haben wird. Die Religion war zu jener Zeit lediglich noch eine Sache des Glaubens, doch der Islam verkündete, ohne irgendwelche Unterscheidungen zu machen, dass Glaube ohne Taten sinnlos und unwirksam ist.

Im Qur'an lesen wir die folgenden Worte über die Einheit Gottes:

"Sprich: 'Er ist Gott, der Einzige; Gott, der Unabhängige und von allen Angeflehte. Er zeugt nicht und ward nicht gezeugt; Und keiner ist ihm gleich.'" Sure 112

Diese Botschaft, obwohl einfach und fundamental, war die größtmögliche Herausforderung und Bedrohung für die Götzenanbeter von Mekka. Sie wollten ihre Lebensweise nicht ändern und befürchteten, ihre Macht einzubüßen, wenn der Götzendienst abgeschafft werden würde. Darum begannen sie, Muhammad (Friede sei mit ihm) zu beleidigen und zu demütigen, und zwar auf die grausamste und ausdauerndste Weise. Doch nichts kann jemanden wirklich Schaden zufügen, der von Gott beschützt wird.

9. Predigt und Widerstand

Muhammad (Friede sei mit ihm) begann geduldig und in aller Stille, seinen Freunden und Familienmitgliedern zu predigen. Diese Zeit der Verkündigung dauerte drei Jahre lang und die Zahl derjenigen, die währenddessen den Islam annahmen, lag noch unter dreißig. Unter ihnen waren Chadidscha, 'Ali (Muhammads Vetter und Schützling), Zaid (ein Sklave, dem Muhammad die Freiheit geschenkt hatte, weil Sklaverei und Gleichberechtigung nicht Hand in Hand gehen können), Abu Bakr, Uthman und Talha (Muhammads enge Freunde und lebenslange Gefährten).

Nach drei Jahren erging Gottes Befehl zum öffentlichen Predigen. Muhammad (Friede sei mit ihm) ging auf den Hügel von Safa in der Nähe Mekkas und verkündete die Einheit Gottes und warnte die Mekkaner vor Gottes Gericht. Er forderte sie dazu auf, zu glauben und entsprechend diesem Glauben zu Handeln durch die Befolgung der Gebote Gottes und eine rechtschaffene Lebensweise. Dies erweckte den Zorn der Mekkaner, denn eine solche Botschaft drohte, die ihrer Macht und all ihrer Vorteile zu berauben, dei sich durch die Götzen der Kaaba für sie ergaben. Sie kündigten ihm die schlimmsten Folgen an, falls er sein öffentliches Predigen nicht einstelle. Doch fast wie eine Art Erwiderung auf ihre Drohungen ging der Prophet einige Tage später zur Kaaba und verkündete: "Es gibt keine Gottheit außer Gott und Muhammad ist Sein Gesandter."

Dies versetzte die nicht-Gläubigen nur um so mehr in Erstaunen und Unruhe. Drohungen waren fehlgeschlagen, so versuchten die es jetzt mit Bestechung, indem sie ihm Reichtümer, Ehren, Frauen und sogar das Königtum anboten. Doch Muhammads einfache Antwort auf all dies war: "Wenn sie mir die Sonne in die eine Hand und den Mond in die andere geben, selbst dann werde ich nicht aufhören, meine geheiligte Sendung zu erfüllen." Da weder Bestechung noch Bedrohung Erfolg brachten, begannen die nicht-Gläubigen nun damit, Muhammad und seine Anhänger auf die grausamste Art zu verfolgen, obwohl deren einziges "Verbrechen" darin bestand, dass sie an Einen Gott glaubten, Übles mieden, Gutes taten und ihren Mitmenschen gegenüber Freundlichkeit, Gerechtigkeit, Liebe und Brüderlichkeit übten. Einige Muslime wie beispielsweise Bilal, Ammar, und Chabbab wurden bei glühender Sonnenhitze in den brennend heißen Wüstensand geworfen und schwere Steine wurden ihnen auf die Brust gelegt. Andere Muslime wurden am Ende eines Seils durch die Straßen geschleift. Einige wurden so gnadenlos verprügelt, dass sie starben. Die nicht-Gläubigen unter den Quraisch konnten Muhammad (Friede sei mit ihm) diesen schlimmsten Folterqualen nicht aussetzen, denn er gehörte der Familie Banu Haschim an und ein solches Vorgehen hätte einen nicht endenden Stammeskrieg hervorgerufen. Ein vierzigjähriger Krieg war gerade zu Ende gegangen und man konnte sich so bald danach nicht schon wieder einen Kampf leisten. Doch auch Muhammad entging den körperlichen Matern keineswegs. Die Mekkaner pflegten ihn täglich mit Abfällen zu bewerfen und streuten ihm Dornen auf den Weg. Bei einer Gelegenheit, als unser geliebter Prophet nach Taif, einer nahegelegenen Stadt ging, um Gotte Botschaft zu verkünden, wurde er unbarmherzig von den Leuten angegriffen und mit Steinen beworfen. Er trug so schwere Verletzungen davon, dass er beinahe ohnmächtig wurde. Doch während er diese Qualen ertrug, sagte der Prophet Muhammad lediglich: "O Gott, zeige ihnen den rechten Weg, denn die begreifen nicht." So also erfüllte er getreulich seine Sendung als Überbringer der Botschaft des Friedens und der Liebe für die gesamte Menschheit.

Im Laufe von fünf Jahren vervielfachten sich die Leiden der Muslime Tag für Tag. Doch trotz dieser Heimsuchungen schlossen sich jeden Tag mehr Gläubigen an. Ungefähr achtzig Muslime wanderten nach Abessinien aus, doch auch dabei wurden sie noch von den nichtgläubigen Quraisch verfolgt. Aber die Muslime konnten entkommen, ohne Schaden zu erleiden. Im sechsten Jahr der Sendung des Propheten nahmen zwei sehr wichtige Männer den Islam an: Hamza und Umar. Umars Übertritt wurde zu einem Schlüsselereignis in der Geschichte des Islam, denn Umar begann sofort, in der Kaaba zu beten. Das war eine gewaltige Herausforderung, die die Quraisch in Zorn und Unruhe versetzte. Sie verstärkten die Verfolgung der Muslime daraufhin noch mehr, doch immer mehr und mehr Menschen bekannten sich zum Islam.

10. Der Boykott

Die Quraisch hatten es vergeblich mit Drohungen, Bestechung und Folterungen versucht. Nun beschlossen sie, dass sie selbst an Muhammad Hand anlegen wollten, doch als sie seine Familie aufforderten, ihn an sie zu übergeben, weigerten sich die Banu Haschim. Als Folge dessen waren die Banu Haschim gezwungen, in die nahegelegenen Hügel von Schu'ab-Abu Talib zu flüchten. Dort mussten sie drei Jahre lang leben. Die Quraisch belegten die Banu Haschim mit einem vollständigem Boykott. So hatten sie oft nicht einmal Nahrungsmittel und mussten mit dem Vorlieb nehmen, was sie an Abfällen fanden. Zeitweise waren sie gezwungen, von Wurzeln und den Blättern von Bäumen zu leben. Manchmal mussten der Prophet und die, die bei ihm waren, ihre Lederschuhe kochen und zerkauen, weil es nichts anderes gab, womit sie ihren Hunger hätten stillen können. Auch die Bekleidung wurde immer dürftiger.

Bald darauf starben Abu Talib, der Onkel des Propheten, und seine geliebte Frau Chadidscha, die ihm stets den größten Beistand geleistet hatten. Als die Quraisch Muhammad (Friede sei mit ihm) nun ohne diese Unterstützung fanden, wurde ihre Verfolgung noch schlimmer.



11. Hoffnung

Um diese Zeit hörten die Bewohner der Stadt Medina, die jedes Jahr Mekka aufzusuchen pflegten, die Botschaft des Propheten. Viele von ihnen nahmen den Islam an und bedrängten den Propheten, doch nach Medina zu kommen. Sie versprachen ihm hoch und heilig, dass sie zu ihm halten wollten, selbst wenn es nötig sein sollte, dafür ihr Leben hinzugeben. Dieses Versprechen schien in jenen finsteren Tagen der einzige Hoffnungsschimmer zu sein, der durch Gottes Barmherzigkeit aufleuchtete.

12. Mi'araadsch oder Aufstieg

Zu jener Zeit wurde der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) durch Gott, den Allerhöchsten auf wunderbarste und herrlichste Weise ausgezeichnet. Gott zeigte ihm in einer Vision alles im Himmel und im Weltall. Er kam mit allen vorausgegangenen Propheten zusammen und verrichtete als ihr Vorbeter ein Gebet mit ihnen. Er erblickte die Herrlichkeit und das Licht Gottes. Dies war die größte Gnade, die Gott je irgendeinem menschlichen Wesen zuteil werden lassen konnte. Dem Propheten wurde Vergebung für die Sünder versprochen, due bereuen und Gutes tun. Die fünf täglichen Gebete und das Fasten wurden von Gott zu dieser Zeit festgesetzt. Diese strahlenste aller Visionen, sowohl in physischer wie in spiritueller Hinsicht, wird Mi'araadsch genannt, was soviel bedeutet wie "Erreichen des höchsten Punktes" oder "Vision des Aufstiegs", und im Volksmund auch "Himmelsreise" bekannt ist. Diese Vision verlieh dem Propheten im dunkelsten Moment seiner Sendung neue Kraft, als er sie am dringensten benötigte.

13. Die Hidschra oder Auswanderung

Es war im dreizehnten Jahr nachdem der Prophet (Friede sei mit ihm) seinen Sendungsauftrag erhalten hatte, als die Verzweifelung der Quraisch solche Formen annahm, dass sie beschlossen, ihn zu ermorden und damit seine Sendung auf immer zu beenden. Um sich gegen die Rache der Familie der Banu Haschim zu schützen, wurden Meuchelmörder aus jedem der verschiedenen Stämme ausgewählt, so dass nicht ein einziger Stamm die Verantwortung allein zu tragen haben würde. Und gegen alle Stämme gleichzeitig konnten die Banu Haschim natürlich nicht kämpfen. Doch Gott offenbarte dem Propheten ihre finsteren Pläne und so gelang es ihm, unverletzt zu entkommen.

In der Nacht, für die die Quraisch die Ermordung des Propheten (Friede sei mit ihm) geplant hatten, bat Muhammad seinen Vetter Ali, sich in sein Bett zu legen, während das Haus bereits von den Meuchelmördern umgeben war. Selbst in diesen Augenblicken der größten Gefahr war Muhammad jedoch auf das Sorgsamste darauf bedacht, Ali getreulich all jene Dinge zu übergeben, die ihm verschiedene Leute anvertraut hatten, damit er sie ihren Eigentümern zurückgebe. Dadurch hat er uns ein leuchtendes Beispiel gegeben, wie er das Vertrauen und den Glauben rechtfertigte, die ihm von Leuten entgegengebracht wurden, von denen übrigens die meisten nicht-Gläubige waren. Dann schlich sich der Prophet aus seinem Haus, vorbei an den wartenden Mördern, die durch Gottes Barmherzigkeit von einer seltsamen Art von Schlaf übermannt waren, so dass sie ihn nicht vorübereilen sahen. Bald darauf drangen die Meuchelmörder in das Haus ein und traten an Muhammads Bett. Da sie dort jemand schlafend vorfanden, meinten sie, es sei der Prophet. Als sie schließlich jedoch feststellten, dass es Ali anstatt des Propheten war, gerieten sie ganz außer sich vor Zorn und Enttäuschung. Der Prophet befand sich mittlerweile mit seinem vertrauten Freund Abu Bakr bereits längst auf dem Weg nach Medina.

Es wurden Alarm geschlagen und die Quraisch machten sich auf, um den Propheten (Friede sei mit ihm) nachzujagen. Die beiden verfolgten Männer setzten während der Nacht ihren Weg fort, doch als der Tag anbrach, suchten sie Schutz in der Höhle von Thaur, um sich auszuruhen und sich vor ihren wütenden Verfolgern zu verbergen. Eine Abteilung der Quraisch langte auf ihrer Suche auch vor dem Eingang der Höhle an, doch die Höhle schien so vollkommen zu verlassen zu sein, dass sie sich nicht vorstellen konnten, jemand halte sich dort auf und so beraten sie sich nicht einmal. Abu Bakr war in diesem kritischen Momenten zaghaft und besorgt, doch der Prophet sagte zu ihm: "Fürchte dich nicht, denn Gott ist mit uns." (Qur'an Sure 9, Vers 40). Diejenigen, die an Gottes Barmherzigkeit glauben, brauchen nie Angst zu haben oder den Mut zu verlieren, denn Gott ist der beste und mächtigste Beschützer.

Die Quraisch boten eine Belohnung von hundert Kamelen demjenigen, der den Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) gefangengenommen und ihn tot oder lebendig an sie übergeben würde. Daraufhin machten sich viele Leute sowohl um der Belohnung willen, als auch um Rache zu nehmen, auf die Suche nach ihm. Doch niemand konnte dem Propheten Schaden zufügen, denn der, den Gott beschützt, braucht keinen anderen Schutz. So gelangten also die beiden Gefährten sicher nach Medina. Im Qur'an heißt es im Zusammenhang mit dieser Auswanderung:

"Und (gedenke der Zeit) da die Ungläubigen Ränke schmiedeten wider dich, dass sie dich gefangen nähmen oder ermordeten oder dich vertrieben. Sie planten, auch Gott plante, und Gott ist der beste Plänemacher." (Sure 8 Vers 30)

14. Der islamische Kalender

Der islamische Kalender beginnt mit dem Jahr, in dem Muhammad (Friede sei mit ihm) von Mekka nach Medina auswanderte. Er fängt mit dem 1. Muharram des Jahres der Hidschra (=Auswanderung), oder dem 15. Juli 622 nach christlicher Zeitrechnung an. Große Taten sind wichtiger im Leben als ein Geburts- oder Todestag. Die muslimische Zeitrechnung beginnt darum nicht mit dem Tag der Geburt des Propheten, sondern mit dem bedeutungsvollsten Ereignis in der Geschichte des Islam, denn dieses Datum zeigt einen Wendepunkt bezüglich des Erfolgs und der Ausbreitung des Islam an.

15. Die Muslim-Gemeinde in Medina

Als der Prophet (Friede sei mit ihm) und Abu Bakr in Medina ankamen, wurden sie mit großer Freude von den Muslimen begrüßt, das heißt sowohl von den in Medina Beheimateten wie auch von den vielen Auswanderern aus Mekka, die schon vor dem Weggehen des Propheten heimlich mit ihren Familien fortgeschlichen und nach Medina gelangt waren. Alle Leute in Medina waren darauf aus, dass der Prophet zu ihnen kommen und bei ihnen leben sollte. Damit sich niemand verletzt fühlen konnte, gab der Prophet seinem Kamel die Zügel frei und ließ es, so wie es wollte, durch die Stadt laufen. Wohl unter der Führung Gottes, des allmächtigen Schöpfers, blieb das Kamel schließlich stehen und begann, auf einem unbebauten Stück Land zu grasen, das zwei verwaisten Brüdern gehörte. Hier also, so beschloss der Prophet, wollte er bleiben und nachdem er den Brüdern das Grundstück bezahlt hatte, baute er dort die erste Moschee des Islam mit einem kleinen angrenzenden Haus für sich selbst. Von da an war diese ebenso wie alle anderen Moscheen nicht nur Stätte des Gottesdienstes, sondern auch Obdach für diejenigen ohne eigenes Heim und für Reisende sowie Versammlungsort, an dem öffentliche Angelegenheiten besprochen wurden. Vordringlichste Aufgabe war nun, sich der Versorgung der Auswanderer aus Mekka anzunehmen. Die Muslime hatten in Mekka nahezu alles zurückgelassen, was sie besaßen und waren darum dringend auf Hilfe angewiesen, bis es ihnen gelang, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und sich in der Stadt, in die sie sich geflüchtet hatten, ein neues Heim zu gründen. Die Muslime von Medina, die den Titel "Ansar" (Helfer) erhielten, teilten alles, was sie ihr Eigen nannten, mit ihren ausgewanderten Muslim-Brüdern, die aus Liebe zu Gottes Religion ihre Familienbande gelöst, ihre Heimstätten aufegeben und ihren Besitz verloren hatten. Durch diese Taten der brüderlichen Nächstenliebe wurde das Zusammenleben der beiden Gruppen so zementiert, dass sie zu einer Gemeinschaft verschmolzen.

Der Prophet (Friede sei mit ihm) und seine Leute waren nun vor den ständigen Verfolgungen der Quraisch sicher; denn obgleich die Ungläubigen nach wie vor dazu entschlossen waren, ihn und seine Gemeinschaft zu vernichten, waren sie doch zu weit entfernt (200 Meilen), um eine noch annähernd so arge Bedrohung darzustellen wie in Mekka. In Medina trat die Sendung des Propheten in ihre zweite und letzte Phase. Er wurde zum Errichter einer Gemeinschaft, die auf dem Göttlichen Gesetz basierte. Während es bei den Offenbarungen, die er in Mekka erhalten hatte, vor allem um Glaubensdinge ging, handelte es sich bei den Offenbarungen, die dem Propheten in Medina zuteil wurden, um einen sehr weitgefassten Kreis von Angelegenheiten, der alle Aspekte menschlichen Verhaltens einschloss wie Essen und Trinken, Heirat und Familienleben, Moral und gute Sitten, Handel und Gewerbe, Frieden und Krieg, Verbrechen und Bestrafung. Dabei sollte nicht übersehen werden, dass die besonderen und allgemeinen Anweisungen, die dem Propheten offenbart wurden, für alle Zeiten bestimmt sind und dass seine Gefährten lediglich die ersten waren, die sie vernahmen und in die Praxis umsetzten. Vordem war es nicht möglich gewesen, die Muslim-Gemeinschaft als gesellschaftliche Gruppe wirklich erfolgreich zu organisieren, weil die Quraisch den Muslimen ständig Schwierigkeiten bereiteten. Doch jetzt machte sich der Prophet daran, eine islamische Gesellschaft zu schaffen, die sich aus der Gemeinschaft von einzelnen Muslimen zusammensetze. Die Religion des Islam ist nicht nur ein Glaube und sie ist auch nicht lediglich zur persönlichen Beachtung religiöser Gebote gedacht. Sie stellt vielmehr eine vollkommene Lebensweise für den einzelnen und die Gemeinschaft dar, wobei jeder Aspekt des Lebens an ihre Gesetze gebunden ist und durch deren Umsetzung in die Tat geprägt wird. Eine gute Gemeinschaft bringt gute Einzelmenschen hervor und gute einzelne gestalteten ihrerseits eine gute Gemeinschaft, wobei jeder seine Kraft aus dem anderen schöpft. Während die Muslime durch ihren gemeinschaftlichen Glauben und die sich daraus ergebende Lebensweise zu einer festen Bruderschaft zusammengeschmiedet wurden, waren sie jedoch nach wie vor durch die Feinde des Islam bedroht. Es gab sowohl in ihrer Mitte wie auch bei den umliegenden Stämmen Leute, die den Muslimen übel gesinnt waren und die auf jede nur mögliche Weise - selbst durch Verrat und ein abgekatertes Spiel mit den Quraisch - versuchten, ihren Untergang herbeizuführen. Vor diesen Unzufriedenen mussten die Muslime ständig auf der Hut sein und ab und zu mussten Maßnahmen ergriffen werden, um gegen sie vorzugehen. Hinzu kam, dass die Quraisch, erfüllt von dem brennenden Wunsch, die von Wahrheitsliebe und Rechtschaffenheit beseelten Leute von Medina auszulöschen, ihre Armeen ausschickten, um die Muslime zu bekämpfen. Im Jahr 2 nach der Hidschra begab sich eine gutbewaffnete Streitmacht von 1000 Männern auf den Weg nach Medina. In Badr trafen sie auf eine schlecht ausgerüstete, in aller Eile zusammengewürfelte Gruppe von etwa 300 Muslimen. Die Quraisch besaßen die zahlenmäßige Überlegenheit, ausgezeichnete Waffen und hatten ihren Feldzug sorgfältig geplant. Doch den Muslimen wurde Gottes Hilfe zuteil und sie besiegten die Quraisch. Dieser Sieg stärkte die Muslime moralisch und geistig und zerschlug zumindest zeitweise alle Hoffnungen der Quraisch. Doch etwa ein Jahr später rückten diese abermals auf Medina vor, um die Muslime zu vernichten. Diesmal waren sie in der Schlacht siegreich, aber den Muslimen gelang es schließlich doch noch, sie zurückzudrängen. Dieses Gefecht wird Schlacht von Uhud genannt. Später umzingelte die Armee der Quraisch Medina und belagerte sie mehrere Wochen lang. Den Muslimen wurde der Nachschub an Nahrungsmitteln und das Wasser abgeschnitten und sie litten so arg unter dem Nahrungsmangel, dass sie sich Steine in Magenhöhe am Leib festbanden, um die Hungerqualen zu lindern. Doch sie hielten gegen die weit überlegenen Streitkräfte durch, die vor ihren Toren auf der Lauer lagen. Gott war mit den Muslimen und die Quraisch zogen sich schließlich zurück.

Der Kampfgeist der Muslime war so stark, dass sie dem eigenen Leben nur geringen Wert beimaßen und es gerne für die Sache des Islam hingaben. Gott hatte ihnen geboten, zu kämpfen, damit Recht und Gerechtigkeit die Oberhand gewinnen sollten, und sie hatten Seinem Aufruf mit jeder Faser ihres Herzen und unter Einsatz aller ihrer Kräfte Folge geleistet. Dieses Kämpfen für die Sache des Islam wird Dschihad genannt. Dschihad bedeutet kämpfen für Gottes Sache, doch hat es eine weitaus tiefere Bedeutung als lediglich das Kämpfen in einer Schlacht. Es bedeutet, sich mit seiner Zeit, seiner Energie, seinem Besitz, seinen Fähigkeiten und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für Gott einzusetzen. Obwohl der Prophet (Friede sei mit ihm) am Ende seines Lebens Oberhaupt einer großen Nation war, war seine Lebensweise nach wie vor von außerordentlicher Einfachheit und Strenge gekennzeichnet. Zeitweise fehlte es ihm und seinem Haushalt selbst an den wichtigsten Dingen für das tägliche Leben. In allem, was er sagte und tat, war er ein lebendiges Vorbild für die Lehre des Islam; die Menschen fühlten sich zu ihm hingezogen und er bewirkte durch seine Lehre und seine aufrichtige Lebensweise, dass sich ihre Herzen in tiefer Zuneigung Gott zuwandten. Glücklicherweise sind uns viele seiner Worte und Taten durch seine Gefährten in einer Sammlung, genannt Hadith, erhalten geblieben. Diese Überlieferungen aus dem Leben des Propheten dienen uns als Richtschnur und Leitfaden.



16. Die Rückkehr nach Mekka

Im Jahr 7 nach der Hidschra wurde ein Vertrag, genannt der Vertrag von Hudaibija, mit den Quraisch abgeschlossen, die mittlerweile begonnen hatten, sich vor der Stärke der Muslime zu fürchten. Entsprechend den darin enthaltenen Bedingungen machte sich der Prophet (Friede sei mit ihm) mit seinen Anhängern auf den Weg nach Mekka, und die Pilgerfahrt (Hadsch) zum Heiligen Haus Gottes, der Kaaba, zu vollziehen. Im Jahr 8 nach der Hidschra brachen die Quraisch jedoch diesen Vertrag und er wurde somit aufgehoben. Um den Feindseligkeiten der Quraisch auf immer ein Ende zu setzen, begab sich der Prophet mit einer großen Anzahl von Muslimen nun nach Mekka, wobei er jedoch darauf bedacht war, nach Möglichkeit ein Blutvergießen zu vermeiden. Als die Quraisch sahen, dass Widerstand zwecklos gewesen wäre, ergaben sie sich und der Prophet betrat mit seinen Anhängern die Stadt, in der er zuerst Gottes Botschaft verkündet hatte, ohne dass Blut vergossen wurde. Er ging zur Kaaba und ließ alle Götzenbildnisse niederreißen, die so lange das Haus der Anbetung des Einen Gottes, Der keinen Teilhaber an seiner Macht hat, entweiht hatten. Die Feinde des Propheten, die ihn und seine Anhänger lange Zeit so gnadenlos verfolgt hatten, waren ihm nun auf Gedeih und Verderb ausgeliefert und warteten auf ihre Bestrafung. Nachdem der Prophet (Friede sei mit ihm) Gott demütig für den Erfolg gedankt hatte, der den Muslimen zuteil geworden war, fragte er die angsterfüllten Leute von Mekka: "Was glaubt ihr werde ich jetzt mit euch machen?" Sie antworteten besorgt: "O edler Bruder und Sohn eines edlen Bruders, nur Gutes." Der Prophet, der mit der Botschaft der Barmherzigkeit und Errettung für alle Welt gekommen war, sagte darauf zu ihnen: "Kein Vorwurf soll euch heute gemacht werden. Geht in eure Häuser, denn ihr seid alle frei." Auf diese Weise hat der Prophet allen Muslimen, die noch nach ihm kommen sollten, aufgezeigt, wie ein unterlegener Feind zu behandeln ist.

Bis zum Jahr 10 nach der Hidschra waren die meisten Menschen in Arabien, einschließlich vieler Juden und Christen, Muslime geworden. Doch selbst diejenigen, die den Islam nicht angenommen hatten, lebten in Frieden, Sicherheit und unter dem Schutz der Muslime, denn im Qur'an heißt es ganz klar:

"Es soll kein Zwang sein im Glauben..." (Sure 2 Vers 257)

17. Letzte Pilgerfahrt

Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) vollzog seine letzte Pilgerfahrt (Hadsch) im Jahr 10 nach der Hidschra. Obwohl noch nicht ganz fünfundzwanzig Jahre seit dem Beginn seiner Sendung vergangen waren, begleitete ihn nun eine Schar von 114 000 Muslimen nach Mekka. Keinem aderen Propheten ist je ein so wunderbarer Erfolg geschenkt worden. Nur elf Jahre vorher war der Prophet aus Mekka vertrieben worden, war ein Gejagter, auf dessen Kopf eine Belohnung ausgesetzt war; nun war er das Oberhaupt von ganz Arabien. Die letzte Chutba (Predigt), die der Prophet bei dieser Gelegenheit hielt, stellte zugleich Höhepunkt und Vollendung seiner Sendung dar. Er sprach mit großer Eindringlichkeit von der Einheit Gottes, der Heiligkeit seiner Botschaft, dem Kommen des Jüngsten Gerichts, er legte den Muslimen Achtung vor den Frauen ans Herz und die Unverletzbarkeit des Lebens und Eigentum anderer. Er ermahnte seine Anhänger: "Wisset, dass alle Muslime wie Brüder untereinander sind. Ihr seid eine einzige Bruderschaft. Ich habe euch das hinterlassen, das - sofern ihr daran festhaltet und es befolgt - euch nicht irregehen lassen wird in euren Angelegenheiten, nämlich das Buch Gottes und dessen praktische Befolgung durch Seinen Gesandten..." Zu eben dieser Zeit erhielt er auch die nahezu letzte Offenbarung von Gott:

"Heute habe Ich eure Glaubenslehre für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islam zum Bekenntnis erwählt." (Qur'an Sure 5 Vers 4)

18. Der Tod des Propheten

Der Prophet (Friede sei mit ihm) wurde krank und nachdem eine vorübergehende Besserung eingetreten war, verschlechterte sich schließlich sein Zustand allmählich und die Kräfte verließen ihn zusehends. Um die Mittagszeit am Montag, dem 12. Rabi-al-Awwal des Jahres 11 nach der Hidschra (dem 8 Juni 632 nach christlicher Zeitrechnung) entschwebte die Seele des Letzen Propheten, während er inständig Gebete vor sich hinflüsterte, und fand Eingang beim "gesegneten Gefährtenkreis in höchster Höhe."

"Wahrlich Gott gehören wir und zu ihm kehren wir heim." (Qur'an Sure 2 Vers 156)

Die Leute von Medina waren von tiefster Trauer erfüllt. Umar, ein enger Gefährte des Propheten (Friede sei mit ihm), war so von Gram überwältigt, dass er sich weigerte, die Tatsache hinzunehmen, dass der Prophet gestorben war. Er ging in die Moschee, wo viele Muslime ins Gebet vertieft waren und wo alle von nichts anderem als dem Tod des Propheten sprachen. Dort rief er: "Ich werde jeden töten, der sagt, dass der Prophet tot ist!" Da Umar ein so enger Vertrauter des Propheten gewesen war und überdies ein bedeutender Mann in der Gemeinde, waren die Muslime von Furcht erfüllt und wussten nicht, was sie von all dem halten sollten. Verwirrung und Unruhe begannen sich bereitzumachen, bis ein Wort aus dem Munde Abu Bakrs sie wieder zurückführte auf den Weg des Islam: "Wenn ihr Muhammad angebetet habt, so ist er in der Tat tot; doch wenn ihr Gott anbetet, so wisset, Er ist lebendig und kann niemals sterben."

19. Abschluss

Der Prophet Muhammad (Friede sei mit ihm) lebte ein erfülltes Leben, das wir als Beispiel unendlicher Güte für alle Wechselfälle unseres eigenen Lebens vor Augen haben. Er bewirkte eine Umwälzung in allen Bereichen menschlichen Verhaltens. Die uneigenen, verdorbenen und schwachen Araber wurden in ein ehrbares, erfolgreiches und starkes Volk umgewandelt, nachdem sie Muslime geworden waren und die Vorschriften des Islam in allen Lebenslagen befolgten.

Das geheiligte Leben des Propheten (Friede sei mit ihm) ist eine beispielhafte Umsetzung der Lehren des Qur'ans in die Tat. Er ist das Vorbild des hervorragendsten aller Menschen, dem wir alle nur nach besten Kräften nacheifern können. Der Prophet ist weder Gott noch Sohn Gottes, sondern ein menschliches Wesen wie wir alle. Er hat als der Letzte Prophet Gottes der gesamten Menschheit den Weg der Errettung aufgezeigt. Im Qur'an wird dies mit folgenden Worten bestätigt:

"Wahrlich, ihr habt an dem Propheten Gottes ein schönes Vorbild für jeden, der Gott fürchtet und den Jüngsten Tag und der Gottes häufig gedenkt." (Sure 33 Vers 21)

Über die Heiligkeit des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm) heißt es im Qur'an:

"Wahrlich, Gott und seine Engel senden Sendungen auf den Propheten. O die ihr glaubt, sendet (auch) ihr Sendungen auf ihn und wünschet ihm Frieden mit aller Ehrerbietung." (Sure 33 Vers 56)

Wir wollen zu Gott beten, dass Er uns Weisheit und Kraft gibt, den Weg des Islam zu gehen, so wie es uns gelehrt worden ist vom Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm), dem letzten Gesandten Gottes.



20. Einige Aussprüche des Propheten Muhammad (Friede sei mit ihm)

Taten werden nach den Absichten beurteilt.

Kein Geschenk der Eltern ist unter allen Geschenken und Gaben an das Kind kostbarer als eine gute Erziehung.

Die Zufriedenheit Gottes liegt in der Unzufriedenheit der Eltern, und die Unzufriedenheit Gottes liegt in der Unzufriedenheit der Eltern.

Derjenige gehört nicht zu uns, der nicht gütig gegen die Jüngeren unter unseren Leuten ist und die Betagten unter uns nicht achtet.

Die Suche nach Wissen ist eine Pflicht für jeden Muslim, sei es Mann oder Frau.

Der Beste unter den Muslimen in bezug auf den Glauben ist derjenige, der am besten ist unter ihnen in seinem Benehmen und der am besten ist unter ihnen gegen seiner Frau.

Das Hassenswerteste unter dem, was erlaubt ist, ist vor dem Angesicht Gottes die Scheidung.

Bei dem, in Dessen Hand mein Leben ist! Kein Mensch glaubt ehe er nicht für seinen Bruder das herbeiwünscht, was er sich selbst wünscht.

Derjenige ist kein echter Gläubiger, der sich sattißt, während sich sein Nachbar hungrig niederlegt.

Der Beweis für die Aufrichtigkeit eines Muslims ist, dass er sich nicht um das kümmert, was ihn nichts angeht.

Wenn ein Mensch stirbt, kommen auch seine Werke zum Stillstand mit drei Ausnahmen: Taten der Nächstenliebe, die weiterlaufen, Wissen, an dem alle teilhaben können und rechtschaffene Nachkommen, die für ihn beten.

Wahrlich, Gott ist rein und liebt die Reinen, Er ist sauber und liebt die Sauberen, Er ist gütig und liebt die Gütigen, Er ist großzügig und liebt die Großzügigen.

Wahrlich, Bescheidenheit und Glaube sind miteinander verwandt; wenn eines von beiden hinweggenommen wird, verschwindet auch das andere.

Allein zu sein ist besser als einen schlechten Gefährten zu haben; und ein guter Gefährte ist besser als allein zu sein; und zum Guten aufzufordern ist besser als zu Schweigen; und Schweigen ist besser als zum Schlechten aufzufordern.

Vergib dem, der dir unrecht tut; schließe dich an den an, der sich von dir trennt; tue dem Gutes, der dir Böses tut; und sprich die Wahrheit, auch wenn es dir zum Nachteil gereicht.

Ein Mensch, der zum Gute rät, ist wie einer, der es tut.

Es gibt zwei Segnungen (Gottes), die viele unter den Menschen unklugerweise übersehen - Gesundheit und Muße.

Glaube hält von Gewalttätigkeit ab; kein Muslim soll Gewalttätigkeit begehen.

Das erste, was Gott geschaffen hat, war der Verstand.




"Muhammad" - Schriftenreihe des Islamischen Zentrums München 7
 


 



"Hz.Muhammed (s.a.v) Nasildi?"


• Bütün hareketleri mutedil, ve ölçülü idi.

• Hizli yürür akarak giderdi. Yavas yürür gibi görünürlerdi.

• Luzumsuz söz söylemezdi.

• Güler yüzlü tatli sözlü idi.

• Kimseye fena söz söylemez, kötü muamele yapmazdi.

• Yumusak ve alçak gönüllü idi.

• Peygamberligine mahsuz ciddiyet vekarini ashabiyla arasinda duvar yapmamisti

• Heybetli ve agirbasli idi.

• Gülümsemsi tebessüm idi. O’nunla sohbet eden kimse O’na can-i gönülden asik olurdu.

• Insanlarin yikik kalbleri yapmaya, gönüllerini hos etmeye düskündü.
Üzgünleri teselli etme firsatini gözler, onlari incitmez küçük büyük bütün ashabini arardi.

• Öfkeden bütün gücüyle sakinir, öfkeli iken bir harekette bulunmaktan sakinir, kendine hakim olurdu.
Hakka itiraz edilmesinin haricinde öfkelenmezdi.
Dünya ve dünyalik seyler onu öfkelendirmezdi.

• Hiç bir kimse onunla beraber bulunmaktan sikayet etmemistir.

• Resulullah’in hüznü daimi, tefekkürü araliksiz idi.

• Rahati yoktu.

• Zaruret olmaksizin konusmazdi.

• Insanlari birbirine isindirir, birbirinden sogutmazdi.

• YARADILIS OLARAK YUMUSAK OLMAKLA BERABER, SALABETLI IDI, HEYBETLI IDI.

• Her bir toplumun sereflisine ikram eder. Onu onlara baskan yapardi.

• Hiç bir kimseden tebessümünü esirgememekle beraber insanlara karsi daima ihtiyatli davranirdi.

• Güzel bir hareketi takviye eder. Çirkin bir hareketi kinar, ondan sakindirirdi.

• Resulullah (SAV) Allah’i (CC) zikretmeden, ne oturur, ne de kalkardi.

• Bir meclise varinca neresi bos kalmissa orada oturur, herkesin de öyle yapmasini emrederdi.
Onunla oturanlarin hepside kendisinin Resulullah’in yaninda en kiymetli oldugunu zannederdi.

• Sert ve kaba degildi.

• Yüksek sesle konusmazdi.

• Kötü söz söylemezdi.

• Hata aramazdi.

• Meclisi hilim, haya, sabir ve emanet meclisi idi.

• Ü=3D3DE7 seyden kesinlikle kaçinirdi: Münakasa, çok konusmak, kendini ilgilendirmeyen seylerle ugrasmak.

• Konusmaya basladigi zaman meclistekileri bir hal tutar,
sanki baslarinda bir kus varmis gibi hareketsiz kesilirlerdi.

• Her isi mutedil idi. Birbiriyle çeliski arz eden hareketleri yok idi.

• Peygamberligine mahsus ciddiyet ve vakarini ashabiyla kendisi arasinda duvar yapmamisti.






powered by Beepworld